Anatomie
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Kopf
Kopf in dorsaler Ansicht
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- Kopfplatte (a)
- Ocellen (b)
- Spezies der Familie Scolopendridae besitzen an beiden Seiten der Kopfplatte jeweils 4 Ocellen (Augen). Cryptopidae haben keine Augen, manchmal jedoch hell pigmentierte Rückstände an Stelle der Ocellen.
- Antennen (c)
- Spärlich behaarte Antennensegmente (d)
Dr. R. Shelley hat festgestellt, dass die urtümliche Bezeichnung "kahle Antennensegmente" taxonomisch nicht richtig ist.
Selbst die sog. "kahlen" Segmente weisen eine Behaarung auf, sind aber natürlich im Gegensatz zu den stark behaarten Antennensegmenten weitaus weniger behaart, was zur obigen aktuell gültigen Bezeichnung führt. Die Zählung der spärlich behaarten Antennensegmente beginnt immer bei der Kopfplatte und bewegt sich von ihr weg. Das erste Antennensegment ist demnach das Segment, welches der Kopfplatte am nächsten liegt. - Behaarte Antennensegmente (e)
Diese Antennensegmente beginnen immer hinter den spärlich behaarten Segmenten, die wiederum bei der Kopfplatte beginnen.
- Spärlich behaarte Antennensegmente (d)
Kopf in ventraler Ansicht
- Erste Maxillen / Mandibeln (a)
- Skolopender benutzen die ersten Maxillen und Zähne, um Beute zu verkleinern.
- Zweite Maxillen / Mandibeln (b)
- Skolopender benutzen die zweiten Maxillen, um einerseits Beute zu bearbeiten und um die Beinsegmente und Antennen zu säubern (siehe auch: Putzbürste).
- Putzbürste (c)
- Diese Bürsten liegen am Ende der zweiten Maxillen und dienen zur Körperpflege.
- Maxillipeden (d)
- Kräftig entwickelte Beinpaare, die für Verteidigung, Beutefang und Bewegen von Material benutzt werden.
- Zahnforstatz / Tuberkel auf dem Prefemur der Chelizeren (e)
- Diese hervorspringenden Zähne fehlen bei Spezies des Genus "Ethmostigmus".
- Giftklauen (f)
- Die Giftklauen sind am Ende der Maxillipeden angebracht und dienen zur Verteidigung und Beutefang.
- Labrum (g)
- "Unterlippe" der Skolopender.
- Clypeus (h)
- Die ventrale Kopfplatte - findet sich meist über dem Labrum.
- Coxosternum / Kieferfußhüften (i)
- Der glatte Bereich zwischen den Maxillipeden und unter den Zahnplatten, bis hin zum Beginn der Maxillipeden.
- Zahnplatten (k)
- Skolopender besitzen Zahnplatten auf dem Coxosternum, die wiederum mit Zähnen bestückt sind.
- Zähne (m)
- Gemeint sind hier die Zähne auf den Zahnplatten.
Ringfurche
Bei den meisten Scolopendra-Spezies auf dem Südamerikanischen Kontinent und Scolopendra valida aus "der alten Welt" plus einigen Scolopocryptopidae findet sich eine halbkreisförmige Furche auf dem ersten Tergit.
Basalplatten
Normalerweise sind die Basalplatten nicht sichtbar und bei Scolopendromorpha zurück entwickelt. Sie liegen versteckt im unteren Bereich zwischen der Kopfplatte und dem ersten Tergit und "tragen" die Giftklauen. Bei Lithobiomorpha (Steinläufer) sind die Basalplatten noch sichtbar und bilden eine Art "Zwischensegment" zwischen Kopfplatte und erstem Tergit. Im Genus Cormocephalus sieht man manchmal die Basalplatten an der Grenze zwischen Kopfplatte und erstem Tergit hinten heraustreten
Körper
Tergite / dorsale Ansicht
- Kiele (a)
- Quasi das Gegenstück zu "Furchen". Sie treten konvex heraus und sind bei Alipes und einigen Otostigmus-Spezies auf den Tergiten sichtbar. Einige Scolopendra-Spezies besitzen auch einen gut (oder weniger gut) entwickelten Mediankiel auf dem letzten Tergit.
- Tergite (b)
- Die oberen (dorsalen) Chitinplatten der einzelnen Segmente.
- Pusteln / Körnung (c)
- Runde, knopfartige Blasen auf Körperteilen werden auch "Pusteln" genannt. Normalerweise findet man sie bei Alipes auf den Tergiten oder bei einigen Otostigmus-Spezies auf den Sterniten.
- Berandung (d)
In einigen Fällen haben Myriapodologen festgestellt, dass ein sekundärer Geschlechtsdimorphismus über die Anzahl der berandeten Tergite auszumachen ist, aber diese Vermutung sollte angezweifelt werden, da sie sicherlich nicht auf alle Spezies (oder eventuell nur wenige) zutrifft.
Paramedianfurchen der Tergite
- Meist paarweise Furchen auf den Tergiten. "PARAmedian" bezieht sich auf die Position: Diese Furchen liegen rechts und links von der Tergit-Mitte.
Grube
- Diese Bezeichnung wird normalerweise für Vertiefungen benutzt, die nicht wie eine Furche fein und schneidig, sondern eher wie ein "Loch" oder ein "Abdruck" geformt sind.
Sternite / ventrale Ansicht
Paramedianfurchen der Sternite
Meist paarweise Furchen auf den Sterniten. "PARAmedian" bezieht sich auf die Position: Diese Furchen liegen rechts und links von der Sternit-Mitte.
Pleurite / pleurale Ansicht
- Pleurite (a)
- Stigmen (b)
- Scolopendromorpha besitzen Stigmen auf den Segmenten 3, 5, 8, 10, 12, 14, 16, 18, 20. Scolopocryptopinae haben ein zusätzliches Stigma am 22. Pleurit (da sie auch ein zusätzliches Körpersegment besitzen). Spezies der Genera Rhysida und Dinocryptops besitzen ein zusätzliches Stigma am 7. Segment. Stigmen werden für den Sauerstoffaustausch über die innenliegenden Tracheen genutzt.
- Ventilklappen auf den Stigmen (c)
- Die Stigmenkelche aller Scolopendra und der meisten Scolopendromorpha (außer Otostigminae und andere Subfamilien) werden von 3-zipfligen Ventilklappen überdeckt. Theorien über die Funktion dieser Klappen besagen, dass sie einerseits vor Feuchtigkeitsverlust und vor dem Eindringen von Parasiten schützen sollen.
- Randwulste der Stigmen (d)
- Die Stigmen der meisten Scolopendromorpha werden von dicken Wulsten umrandet (außer z.B. Otostigminae).
Medianfurche
Wichtiges taxonomisches Merkmal auf dem 21. Tergit, welches als Unterscheidungsmerkmal von Spezies genutzt wird.
Coxopleuren
- Coxopleuren (a)
- Die Coxopleuren liegen neben dem 21. Sternit und umschließen zum Teil das innenliegende Verdauungs- und Fortpflanzungssystem.
- Coxopleurenfortsätze (b)
- Die Zapfen am Ende der Coxopleuren.
- Bedornung der Coxopleurenfortsätze (c)
- Für gewöhnlich besitzen Skolopender an der Spitze der Coxopleuren einen oder mehrere Dornen (außer Scolopendra hardwickei und einige Cormocephalus-Spezies, die ursprünglich aus dem Genus Colobopleurus stammen).
- Dorsale Bedornung der Coxopleuren (d)
- Einige Scolopendromorpha-Spezies besitzen einen oder mehrere Dornen auf den Coxopleuren an der Grenze zum letzten Tergit.
- Laterale Bedornung der Coxopleuren (e)
- Einige Scolopendromorpha-Spezies besitzen einen oder mehrere Dornen auf der Seite der Coxopleuren.
- Distale / Laterale Bedornung der Coxopleurenfortsätze (f)
- Einige Scolopendromorpha-Spezies besitzen einen oder mehrere Dornen auf der Seite der Coxopleurenfortsätze, direkt unter den Dornen an der Spitze.
- Poren auf den Coxopleuren (g)
- Beide Coxopleuren besitzen einen mehr oder minder stark entwickelten Porenbereich.
- 21. / 22. Sternit (h)
- Letztes Sternit (22. bei Scolopocryptopidae)
Beine
Beinpaare 1-20(22)
Meint: Alle Beinpaare außer Schleppbeine.
Aufbau von Beinsegmenten
- Präfemur (a)
- Erstes Beinpaarsegment, vom Körper aus gesehen.
- Femur (b)
- Zweites Beinpaarsegment, vom Körper aus gesehen.
- Tibia (c)
- Drittes Beinpaarsegment, vom Körper aus gesehen.
- Tarsus 1 (d)
- Viertes Beinpaarsegment, vom Körper aus gesehen.
- Tarsus 2 (e)
- Fünftes Beinpaarsegment, vom Körper aus gesehen.
Einige Genera besitzen keine klare Trennung von Tarsus 1 und 2, so dass sie letztendlich nur einen Tarsus besitzen.
- Fünftes Beinpaarsegment, vom Körper aus gesehen.
- Prätarsus (f)
- Letztes Beinpaarsegment, vom Körper aus gesehen. Dieses Segment ist zu einer Kralle entwickelt.
- Tarsalsporne (g)
- Meist auf dem ersten Tarsus befindliche Sporne / Dörnchen.
- Klauensporne (h)
- Auf der Grenze zum Prätarsus befindliche Sporne / Dörnchen.
Siehe auch Telepodit
Schleppbeine
Die letzten Beine bei Skolopendern.
- Bedornung des Präfemurs (b)
- Dornen auf dem ersten Segment der Schleppbeine (fast immer ventral gesehen).
Dies ist ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal für Spezies.
- Dornen auf dem ersten Segment der Schleppbeine (fast immer ventral gesehen).
- Eckdorn (c)
- Dieser große Fortsatz an der Grenze von Präfemur und Femur besitzt keine oder mehrere Dornen an der Spitze.
Einige Spezies besitzen keinen Eckdorn.
- Dieser große Fortsatz an der Grenze von Präfemur und Femur besitzt keine oder mehrere Dornen an der Spitze.
- Anordnung der Dornen:
- weiß (1,2) --> ventro-lateral
- gelb (1, 2, 3) --> ventro-medial
- pink (1, 2) --> medial
- grün (1, 2) --> dorso-medial
- Randwulste (a)
- Diese Bezeichnung wird üblicherweise für die dorsale wulstige Berandung der Schleppbeine verwendet und bietet ein wichtiges Geschlechtsunterscheidungsmerkmal für Scolopendra morsitans. Weibchen besitzen nur maximal unscheinbare Randwulste, die nie die Tibia erreichen, während Männchen gut erkennbare und scharfschneidige Randwulste auf Präfemur, Femur und oft auch Tibia aufweisen.
- Dorso-apikale Bedornung auf Beinpaaren (a)
- Diese Ausprägung wird bei einigen Scolopendra-Spezies zur Unterscheidung genutzt. Im Speziellen kann man anhand dieser kurzen Dornen zwischen Prefemur und Femur des 20. Beinpaares (neben der Bedornung der Schleppbeine) den Unterschied zwischen Scolopendra alternans und Scolopendra subspinipes erkennen. Letztere besitzen diese Dornen nicht.
Weiterhin spielen diese Dornen eine wichtige Rolle in der Debatte "Scolopendra gigantea gegen Scolopendra galapagoensis", wo Unterscheidungen an Hand der Anzahl der dorso-apikalen Dornen zwischen Prefemur und Femur und dem Vorhandensein von dorso-apikalen Dornen zwischen Femur und Tibia zur richtigen Bestimmung der Spezies herangezogen werden.
- Diese Ausprägung wird bei einigen Scolopendra-Spezies zur Unterscheidung genutzt. Im Speziellen kann man anhand dieser kurzen Dornen zwischen Prefemur und Femur des 20. Beinpaares (neben der Bedornung der Schleppbeine) den Unterschied zwischen Scolopendra alternans und Scolopendra subspinipes erkennen. Letztere besitzen diese Dornen nicht.
Anmerkungen
Bemerkung zu unterschiedlichen Bezeichnungen für "Furche"
Attems hat damals lediglich die Bezeichnung "Furche" benutzt. Dennoch gab es Myriapodologen, die bei englischen Publikationen die beiden Begriffe "sulcus" und "suture" wechselseitig benutzt und deren eigentliche Begrifflichkeit durcheinandergebracht haben. Lewis hat später festgehalten, dass diese beiden Begriffe beibehalten werden sollten, wobei "sulcus" eine stark eingravierte Furche (z.B. die Ringfurche) und "suture" eine sehr sanfte und nicht tiefe Furche meint (wie bspw. die meisten Paramedianfurchen). Nichtsdestotrotz bleibt anzumerken, dass der Grad der Furchung vom Beobachter abhängt. Wir können jedoch im Deutschen bei der Bezeichnung "Furche" bleiben, da es kein deutsches begriffliches Pendant zu den englischen Bezeichnungen gibt.